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Samstag, 7. Juni 2008

anpfiff

›the script has already been written‹

Philipp Tok

Unverbindliche Annäherung ist mein Einstiegsmodus für Museen und sonstige Bildanhäufungen. Sehen, was einen treffen könnte. Was ich mitgebracht habe als befruchtbaren Stoff wird sich zeigen. Auch heute auf der ART in Basel. Da ist es schon.
Noch in der Tram ging es mich an, wie es geschehen konnte, dass zwei Veranstaltungen von diesem massiven Umfang zum selben Zeit- und am selben Raumpunkt stattfinden könnten. Die ART, ›grösste Kunstmesse der Welt‹, und die Europameisterschaft in der Disziplin Fußball treffen in Smalltown Basel zusammen. – Noch fast am Anfang der unlimitierten Erlebnisräume zeigt sich eine ansprechende Videoinstallation. Zwei Bildflächen, die im rechten Winkel aufeinander treffen und aufeinander abgestimmt HD Bildfolgen aus einem Fussballstadion zeigen. 17 Kameras sind als Ausgangsmaterial gerichtet auf Zinedine Zidane. Er selbst kommentiert die Bilder hin und wieder in Form von englischen Untertiteln. Der dröhnende Stadionsound wird abwechselnd abgedumpft, ausgeblendet, überspielt von tief gestimmter Musik oder zwischenzeitlich frontal eingeblendet. Dem Beipackzettel ist zu entnehmen, es handelt sich um ein Spiel in Madrid, doch das Spiel ist ausgeblendet. Ich sehe Zidane in schwacher Verfassung, dem Zweifel, vielmehr dem Resignieren anheim gegeben. Die Bilder nehmen mich mit in sein Innenleben, in dem das Wiesenereignis wie ein dümpelnder Tagtraum seinem Eigenleben nachgeht. ›Es gibt Tage, da kommt man ins Stadion und man weiß, alles ist bereits entschieden.‹ Die Stimmung ist dunkel-schicksalsergeben. Heute will nichts gelingen. Nur hin und wieder macht er sich überhaupt die Mühe, dem Ball nachzueifern, um ihn bereits wieder verloren zu haben. ›In mir steigen Erinnerungen an vergangene Tage auf. An große Momente. Der Ball kommt auf mich zu, und bevor ich ihn überhaupt berührt habe, weiß ich, ich werde punkten.‹
Mehr brauch ich nicht. Was auch immer ich noch entdecken sollte, diese Arbeit wird es übertönen. ›The script has already been written.‹

›Zidane, a 21st century portrait – camera 6‹ von Douglas Gordon und Philippe Parreno, 2006, 90 Minuten | Ausschnitt gesehen auf ART unlimited Basel, 6. Juno 2008

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

> To be or not to be - oder Einheit durch Verschiedenheit <

My dear,
right, things are allways ready, but, that`s the problem!



Manche erleiden und erhoffen es seit Jahrhunderten, das Menschen
aufhören, und sich nicht länger als notwendig in den machtvollen Fertigkeiten der Götter sonnen, ansonsten wären Götter regelrecht dazu verdammt, auf ewig zu bleiben was sie sind. Das wäre dann die Hölle des Himmels.

Es sei denn, der Mensch erhebt sich zu ihrem Herrn und erlöst durch sein Erkennen sie aus dem Bann ihrer Fertigkeit. Dadurch erlöst, indem er in sich den Spielraum der Ohnmacht eröffnet, in welchem durch die Fähigkeiten des Menschen anderes sich entwickelt und so seine Verwandlung erfährt.

Götter kennen keinen Tod und so erlangen sie keinen Einblick in die Verschiedenheit.
Sie entbehren der Welt, der sie entsprungen sind. Der Welt der Einheit durch Verschiedenheit.

Sie können sich nicht von sich unterscheiden. Im Erkennen des Menschen würde ein Gott erstmalig erleben, was es bedeutet, gesehen zu werden und durch so ein Sehen wiederum werden zu können. Dann werden die Götter sprechen, nicht ich,sondern der Mensch in mir.

Im Erkennen des Menschen erleiden die Götter ihren Tod. Aus der daraus entstehenden Verschiedenheit werden sie beizeiten wieder geboren in einer Welt.

In einer neuen Welt. Dafür bedarf es einer neuen Ästhetik. Einer Ästhetik der Ohnmacht.

Rudolf Steiner benennt die Goethesche Weltanschauung als Vater dieser neuen Ästhetik.
Nun können wir auch die Mutter benennen. Es ist die Natur des Menschen, durch die
Götter wieder geboren werden als dann spielende Menschenkinder.

mit freundschaftlichem Gruß, Burghard

Philipp Tok hat gesagt…

em meets art

Dear Burghard:

Erleben wir uns in der Idee, suchen wir die totale Autonomie unseres Wesens. Erleben wir uns im Stoff, suchen wir vollständige Harmonie mit dem Weltgeschehen.

In der Idee verlieren wir das Sein, in der Welt das Bewusstsein. In beidem sind wir vereinseitigte Tendenz.

Die Dualität von Götter- und Menschenwelt begegnet uns im nach ausgrenzender Selbstbestimmung trachtenden ideellen Leben. Die grundsätzliche Einheit, der einheitliche Ursprung beider Parteien überwiegt im Vertiefen der Seinserfahrungen.

Wie weit macht es Sinn sich mit Göttern zu messen? Wie weit ist die Autonomie des Subjekts eine eingebildete? Was heißt es bewusst in das Geschehen der Götterwelt einzutauchen? Sich jenem Wollen selbstbewusst zu fügen? – Meinst Du diesen Punkt, in dem Götter sich selber finden?

Der hier rausgebrochene Aspekt des Zidane-Films, geht ja gerade auf den aus dem Göttergeschehen herausgefallenen Menschen, der sich nach ursprünglicher Einheit sehnt. So wenig dieser Ursprung wegzuradieren ist, sowenig kann er unser Maß sein.

Unfähigkeit ist unser Ausgangspunkt. Die Revolutionsdichte der technischen Evolution der letzten zwei Jahrhunderte, hat uns in den elementarsten und kunstvollsten Fähigkeiten Jahrtausende zurückgeworfen. Unsere Augen sind arm geworden an den Reizen der Monitor-Technik, unser Verhältnis zum Wissen ist ausgedünnt durch die erhöhte Verfügbarkeit. Unser Wollen bleibt hinter der Maschinenkraft zurück, etc. – Es ist, das wir abgebaut haben, was Götter und Halbgötter in uns geduldig herangezogen haben. Wir leben mit dessen Rückbildungen. Was fangen wir damit an?

Ja, bitte!
Eine Æsthetik der Ohnmacht.

Herzlich Philipp

Anonym hat gesagt…

Lieber Philipp,
wo bleibt Dir der Gedanke zur Notwendigkeit?
In keinster Weise wäre Dein Schmerz von jeglicher Ohnmacht umziert, diese Sehnsucht nach dem Wollen brennend unter der Schwelle zu erahnen, wenn nicht...:
Und dann begreifen wir, welche Strömungen im Leben sich entgegenbewegen diesem Verluste, die wir beherrschen lernen müssen. Seien es Deine zwei Jahrhunderte der Denaturierung so sind es seit dem 19. Jahrhundert die umfliessende Geistigkeit in unserem Gemüte. Das Geistige ist da, es lauert vor der Maschinenkraft, es ist eben nicht abgebaut. Vielmehr haben wir uns blind 'geintellektet'.
Und was wir mit der Rückbildung anfangen gebierst Du mit jedem Gedankenschritt Deines Lebens, was sich tief mit Deinem Gemüt verbindet, was uns in Wirklichkeit zu einem andern Menschen macht, was das menschliche Leben tief bereichert und die Grundlage schafft zu einem wirklichen Weltenbewusstsein.
Ästhetik der Ohnmacht?
Ästhetik der Wirklichkeit!
Lieben Gruss
...von mir!

Anonym hat gesagt…

...Ohnmacht wo Du nicht beginnst, ein ursprüngliches Streben aus Dir heraus zu beginne. Ich werde weggetrieben von Dir, muss mich also in einer ganz anderen Beziehung zu Dir wieder suchen, indem ich in mir eine Tiefe zum Erlebnis bringe. Ein Suchen, dass ich nicht kenne, ein Suchen, dass Dir das Ohnmachtsgefühl einflösst.
...

Burghard Schildt hat gesagt…

Lieber Philipp!

Dich beziehend auf meinen Kommentar zu deinem Text, tauchen Fragen auf.
Ich will zu Einer einen ersten Bezug versuchen. Du schreibst.....
"Wie weit ist die Autonomie des Subjekts eine eingebildete?"

Wir finden uns im Vorfeld der kommenden Tagung " Was ist an der Zeit? " - Ästhetische Erfahrung.

Das Denken findet seine ihm eigenen Zusammenhänge, indem es durch "Anschauung" sich in sich selbst vertieft. Was so seinen Zusammenhang durch sich selbst erschafft, ist dann auch sein eigener Gesetzgeber, das nennen wir Autonomie. Es hat sein Gesetz nicht außer sich, somit ist es Selbstschöpferisch.

Von daher gesehen kann man so ein Anschauen keinem Subjekt zusprechen. Es geht um das Erfragen eines "Anschauens". Eines Anschauens, das bei sich selbst ist, indem es denkt. Eines Denkens, daß bei sich selbst ist, indem es anschaut.

Diejenige Anschauung, die das Denken, im Umgang mit sich selber vollzieht, kann uns zu einer Frage werden. Zu einer anderen Frage kann uns werden, ob so eine Anschauung auch die Grundlage für weitere, noch zu bildende, Zusammenhänge wäre.

Es geht um ein Erfragen. Dies will ich sagen mit " sich nicht länger als notwendig in den machtvollen Fertigkeiten der Götter sonnen". Die Fertigkeiten selbst sind ohne Macht. Zu einer Macht werden sie dadurch, daß die Fertigkeiten füreinander blind sind, aber dennoch aufeinander einwirken. "Ohn - macht" wäre somit als Quell jener Anschauung zu erfragen.
" Ohnmacht" als derjenige "Ort", wo Göttergeschehen ohne Einwirkung aufeinander ist.

Eine Ohnmacht die subjektiv auftritt, jedoch nicht von einem Subjekt herstammen kann, da es
ein "Ort" jenseits von Subjekt und Objekt ist. Es wäre ein Anschauen aus der Autonomie der Ohnmacht. So etwas wäre dann eine "Ästhetik der Ohnmacht".

Gut Pfad! Burghard

Burghard Schildt hat gesagt…
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